Auch im Immobilienbereich bieten sich gute Möglichkeiten, so kann der Kauf eines Passivhauses oder die energetische Sanierung einer Bestandsimmobilie eine äußerst nachhaltige Wirkung entfalten.
Allerdings erfordern solche Investitionen das Vorhandensein eines erheblichen finanziellen Backgrounds, so dass sie für Berufseinsteiger, die erst mit dem Kapitalaufbau beginnen, noch keine geeignete Maßnahme sind.
Liquidität
Hier ist erst mal der Aufbau eines Liquiditätspuffers angesagt. Es macht natürlich keinen Sinn, Geld für 2%, 4% oder vielleicht sogar 6% anzulegen, wenn man parallel für den Dispokredit 12% bezahlt!
Neben einem Monatsgehalt auf dem Girokonto geht man üblicherweise von 2-3 Netto-Monatsgehältern auf einem Tagesgeldkonto aus, um ungeplante größere Ausgaben (Waschmaschine kaputt, etc.) ohne Aufnahme von Schulden finanzieren zu können.
Nutzt man hierfür die Angebote einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Bank, kann diese die angelegten Gelder zur Finanzierung sinnvoller Projekte verwenden. In Frage kommen hierfür: GLS-Bank, Ethikbank (beide mit Girokonto), Umweltbank und Triodos-Bank (nur Tages- und Festgeld). Neu hinzugekommen ist auch die noa-Bank, die allerdings umstritten ist.
Als Marktführer in diesem Sektor kann wohl die GLS-Bank gelten. Anders als bei konventionellen Banken kann hier nachvollzogen werden, worein das angelegte Geld investiert wird, bzw. der Kunde hat sogar die Möglichkeit, selbst Einfluß darauf zu nehmen. Die GLS-Bank finanziert neben ökologischen auch soziale und kulturelle Unternehmen, der Kunde kann den Bereich seiner Anlage bestimmen, beispielsweise sich für Finanzierung von Wohnprojekten, Biobranche, Schulen und Kindergärten, Gesundheit oder Leben im Alter entscheiden.
Bei der Umweltbank ist der Name Programm, sie fokusiert sich auf die Finanzierung von Umweltprojekten und bietet wie die Triodos-Bank kein Girokonto an, fungiert also nur als Ergänzung zur Hausbank oder Sparkasse, nicht als Ersatz.
Die Angebote dieser beiden Banken bieten sich daher ggfs. bei Sparzielen mit festgelegtem, kurzem bis mittelfristigem Zeithorizont an, z.B. zum Aufbau von Eigenkapital für eine Immobilienfinanzierung.
Kapitalbildung und Altersvorsorge
Für den langfristigen, flexiblen Kapitalaufbau und die Altersvorsorge sind solche Tagesgeld- und Festgeldanlagen allerdings nicht geeignet, und zwar ob der in beiden Fällen geringen Verzinsung. Bei der Festgeldanlage kommt dazu noch die mangelnden Liquidät, falls man doch mal während der Festlegung an das Geld möchte, ausserdem muß man sich bei Festgeld ggfs. regelmäßig um die Neuanlage kümmern.
Dass Kapitalbildung zur Altersvorsorge am Besten über Versicherungen zu erreichen ist, ist in Deutschland ein nach wie vor weit verbreiteter Irrglaube. Leider trägt dazu auch die so genannte "staatliche Förderung" wie Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge mit der entsprechenden Propaganda bei.
Die Auseinandersetzung mit dem Thema kapitalbildende Versicherungen soll aber ein Extra-Kapitel werden und sei hier nur erwähnt, weil Banken gerne diese Produkte verkaufen, die für den Kunden zumindest aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn machen, selbst wenn es sich dabei um mittlerweile ebenfalls vorhandene Angebote mit nachhaltiger Geldanlagepolitik handelt.
Folgt man den Verbraucherschützern (Verbraucherschutzzentralen, Finanztest, Ökotest), kommt man als junger Mensch um das Thema Aktienfonds eigentlich nicht herum. Aktien sind Eigentumsanteile an einem Unternehmen, durch einen Aktien-Fonds werden Eigentumsanteile von vielen verschiedenen Unternehmen gekauft, so daß der Anleger durch Erwerb von Fonds-Anteilen schon mit sehr kleinen Geldbeträgen zum Miteigentümer an sehr vielen Unternehmen werden kann.
Auch wenn das Thema Aktien bei vielen wahrscheinlich unter der Kategorie spekulativ und riskant abgespeichert ist, durch die Streuung der Investition in viele Unternehmen ist das Risiko bei einem Fonds viel geringer als bei einer Einzelinvestition in Aktien. Obwohl der Wert von Aktienfonds stark schwanken kann, liegt die erwartete Rendite auf lange Sicht deutlich über der von anderen Anlageformen, und das macht Aktienfonds so interessant für den lanfristigen Kapitalaufbau und die finanzielle Altersvorsorge. Verluste, insbesondere zwischenzeitlich, sind zwar nicht auszuschliessen, ein Totalverlust ist dagegen so gut wie unmöglich, denn dann müßten schon alle im Fonds enthaltenen Unternehmen Pleite gehen.
Ausserdem ist zu beachten, dass bei dieser Geldanlage letztlich in Sachwerte investiert wird, nämlich in die real existierenden Firmen, deren Wert auch über manche Krisen hinaus mehr Bestand haben kann als andere, vermeintlich sichere Anlageformen, z.B. bieten sie in der Regel einen guten Schutz gegen Inflation (Geldentwertung). Insbesondere kann im Extremfall einer Währungsreform eine Unternehmensbeteiligung durch Aktienbesitz deutlich besser sein als ein mit einem Wertversprechen bedrucktes Papier.
Im Zweifel gilt sowieso bei der Geldanlage: Risiken streuen, nicht alles auf eine Karte setzen. Da kein Mensch die Zukunft voraussehen kann, sollte man natürlich nicht alles auf Aktien setzen, sich aber auch nicht nur auf konservative Anlagen verlassen.
Nachhaltige Fonds
Natürlich ist dabei immer zu beachten, worein ein Fonds investiert, nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, sondern eben auch unter ethischen Aspekten. Bei Fonds gibt es verschiedene Ansätze zur Umsetzung ethisch-ökologischer Zielsetzungen:
Themenfonds konzentrieren sich auf Firmen, die explizit im Sektor Nachhaltigkeit tätig sind, z.B. in den Bereichen Erneuerbare Energien, Wasseraufbereitung, Energieeffizienz, Müllvermeidung/Recycling, etc.
Sie enthalten damit, was man intuitiv bei einem Ökofonds erwartet würde, schränken aber das Anlageunivserum stark ein, was potentiell die Risiken erhöhen kann (ggfs. auch die Chancen), jedenfalls können solche Fonds zu stärkeren Ausschlägen neigen.
So genannte Best-in-Class-Ansätze schliessen erst mal per se keine Branchen aus, sondern bewerten die Nachhaltigkeit auch von konventionellen Firmen nach bestimmten Kritierien, z.B. Ressourcenverbrauch, Klimarisiken, Korruption, Arbeits- und Menschenrechte. Häufig werden die Bewertungen von externen, unabhängigen Rating-Agenturen vorgenommen, beispielsweise oekom, ethibel und imug. Die jeweils Besten einer Branche können dann ausgewählt werden, das schließt jedoch auch Autohersteller wie BMW oder Atomkraftbetreiber wie EON und RWE ein. Auch Firmen wie McDonalds und Coca-Cola finden sich in manchen Fonds, was zunächst mal unerwartet ist. Einige Fonds hatten, bzw. haben sogar BP-Aktien enthalten. Der Ansatz hat folgenden Hintergrund:
Auch für konventionelle, nicht explizit auf Nachhaltigkeit fokusierte Firmen soll der Anreiz erhöht werden, eine Veränderung in diese Richtung vorzunehmen. Bestenfalls bis hin zur vollständigen Umstellung z.B. eines Ölförderunternehmens wie BP oder eines Energieversorgers mit Atom- und Kohlestrom hin zu Erneuerbaren Energien. Die Argumentation ist, dass selbst eine kleine Umstellung bei einem Großunternehmen absolut gesehen mehr positive Wirkung entfaltet als ein vollständig korrektes Kleinunternehmen erzielen könnte.
Allmählicher Wandel soll durch die ständige Hinterfragung und Nachhaltigkeits-Rechenschaftslegung erzielt werden, die von den Rating-Agenturen ausgeht. Eine Beförderung des sich vollziehenden Bewußtseinswandels durch diesen Ansatz ist vermutlich auch gegeben, allerdings sind so aufgestellte Fonds sicherlich nichts für Puristen.
Um zu vermeiden, dass sich unerwünschte Branchen und Praktiken in einem Fonds befinden, werden daher auch häufig Ausschlußkriterien verwendet, um entsprechend tätige Firmen aus dem Fonds fernzuhalten. Somit würde sich ein zumindest neutrales Portfolio von Unternehmen im Fonds ergeben, zudem können Positivkriterien definiert werden, welche wiederum entsprechend agierende Firmen für die Aufnahme bevorzugen.
Die Auseinandersetzung mit der jeweiligen Fondspolitik und Zusammensetzung bleibt dem Anleger also nicht erspart, will er in einen seinen Vorstellungen entsprechenden Fonds investieren.
Die nötigen Informationen sind allerdings vergleichsweise leicht öffentlich zugänglich und es werden auch von unabhängiger Seite immer mal wieder Analysen und Empfehlungen veröffentlicht.
Direktkredite/Mikrofinanz
Interessent für nachhaltig orientierte Anleger sind unter Umständen auch Kreditvergaben, die über Internet-Plattformen direkt von Privatleuten an andere Privatleute vergeben werden, da hier schon mit kleineren Beträgen gezielt in bestimmte Projekte investiert werden kann.
Im deutschen Markt hat sich Smava etabliert. Kreditanfragen können mit Beschreibung der Verwendung eingestellt werden, so daß sich entsprechende Anleger dafür finden können. Die Verwendungszwecke sind sehr unterschiedlich, können aber z.B. so etwas wie Finanzierung einer Solaranlage auf dem eigenen Dach sein. Smava stellt die Infrastruktur für die Abwicklung und das Modell sieht Bonitätsprüfungen der Kreditnehmer und gewisse Absicherungen gegen Kreditausfälle vor.
Kiva ist eine englischsprachige Plattform, die Kleinkredite in Armutsländer vermittelt, um dort nicht durch Spenden, sondern durch Finanzierung von Geschäftsmodellen die Armut zu bekämpfen. Der rückzahlbare Kredit ist zwar keine Spende, Anleger erhalten allerdings keine Zinsen auf ihre Anlage. Es handelt sich also durch diesen Renditeverzicht trotzdem nicht um ein wirtschaftlich orientiertes, sondern karitatives Modell.
Eine andere Variante, Mikrokredite in Armutsländern zu finanzieren, ist die Beteiligung an der Oikokredit-Genossenschaft. Anteile können ab 200€ erworben werden und dienen ähnlich wie bei Kiva zur Finanzierung von Kleinprojekten in Armutsländern, jedoch ohne anlegerseitig die genaue Verwendung zu kennen oder bestimmen zu können. Für die Beteiligung wird eine Dividende gezahlt, die auf maximal 2% beschränkt ist. Ursprünglich eigentlich eher als Renditeverzicht gedacht, ist in der momentanen Situation ein Ertrag von 2% sogar relativ lukrativ, verglichen mit Spareinlagen bei Banken, wobei die Anlage nicht wie bei deutschen Banken durch eine Einlagensicherung gedeckt ist. Mikrofinanzierung hat sich bisher aber als erstaunlich stabil erwiesen, insbesondere kommt der Sektor wohl recht unbeeinflußt durch die globale Finanzkrise.
Bei ausreichender Verfügbarkeit anderweitig angelegter Geldmittel kann diese Art der Geldanlage ggfs. als Beimischung geeignet sein.